Rückblick Buchvorstellung  „Lothar Späth 1937-2016 – Ministerpräsident aus Ilsfeld – Erinnerungen“

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben Nr. 48  vom 30.11.2023

 

Viel Beifall und Anerkennung erhielt Walter Conrad nach seiner Buchvorstellung von den zahlreich erschienen Besuchern und der

 

1. Vorsitzenden des Heimatvereins Katharina Seher. Zur Buchvorstellung kamen neben ehemaligen Schulkameraden auch Bekannte und Weggefährten aus der damaligen Zeit von Lothar Späth. Da Lothar Späth sich sehr in die Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde einbrachte, lag es nahe, die Buchvorstellung im Johann-Geyling-Haus zusammen mit der ev. Kirchengemeinde stattfinden zu lassen.

 

Autor Walter Conrad

 

Pfarrer Bulmann hatte sich bereit erklärt, einige Jungscharlieder aus der damaligen Zeit auf seiner Gitarre zu begleiteten und beim Singen wurde bei so manchem Besucher die damalige Jungscharzeit am Lagerfeuer wachgerüttelt.  Lothar Späth, der 1937 in Sigmaringen geboren wurde, zog im Herbst 1940 mit seinen Eltern nach Ilsfeld. Bereits im selben Jahr kam er in den Kindergarten Dorastift. Seine Hilfsbereitschaft beeindruckte die damalige Kindergartenleiterin, Schwester Luise, schon sehr, er half ihr immer die schweren Kohlenfüller aus dem Keller hochzutragen, er wurde dadurch zum Liebling der Schwester.

Pfarrer Martin Bulmann

 

Im Kriegsjahr 1943 wurde Lothar Späth in der Ilsfelder Volksschule eingeschult, später besuchte er die Oberschule in Beilstein und Heilbronn. Sowohl über seine Schulzeit,  als auch über seine kirchlichen Aktivitäten in der Kinderkirche und Jungschar, kann man im Buch vieles Interessante nachlesen. Über so manche Erlebnisse und Begebenheiten haben damalige Kameraden berichtet, die Walter Conrad im Buch übernommen hat. Den Kontakt nach Ilsfeld hat Lothar Späth nie abgebrochen, weder als Ministerpräsident noch als Vorstandvorsitzender der Jenoptik AG, besuchte Lothar Späth immer wieder den Ort seiner Kinder- und Jugendzeit, sei es zu Jubiläen oder sonstigen Anlässen.

In dem kurzweiligen und lebendigen Vortrag konnte Walter Conrad vieles aus seinem Buch an die Zuhörer vermitteln. 

 

Nach dem offiziellen Teil gab es noch einen kleinen Umtrunk, bei dem die Gelegenheit bestand, sich über frühere Zeiten auszutauschen.

Für diejenigen, die nicht zur Vorstellung kommen konnten, aber am Buch interessiert sind, können sich bei Walter Conrad Tel.: 07062/61332 oder Katharina Seher Tel. 07062/979624  oder sich per E-Mail: [email protected], melden, aber auch im Ilsfelder Rathaus kann das Buch erworben werden.

 

 

Manfred Braun

 


Einladung: Buchpräsentation "Lothar Späth Erinnerungen"


Erinnerungen an die 1940er, Anfang 1950er Jahre, Leben und Arbeiten im Abstetterhof

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben ab Nr. 37  vom 14.09.23 – 19.10.23

 

 

 

Aufgeschrieben und erzählt von Elfriede Marquardt

 

mit Unterstützung ihres Mannes Manfred Marquardt

 

 

Elfriede Marquardt hat ihre Lebenserinnerungen an die damalige Zeit niedergeschrieben. Ihre spannende und lebhafte Erzählung gibt einen tiefen Einblick in das Leben der Leute im Abstetterhof während des zweiten Weltkriegs und die ersten Jahre nach dem Krieg. Die heute  85 Jahre alte Autorin lebt seit ihrer Geburt im Abstetterhof, kennt die Menschen und viele Begebenheiten die sich am Ort zugetragen haben. Die Idee dazu, ihre Lebenserinnerung niederzuschreiben, hatte Elfriede Marquardt während eines Kuraufenthalts im Jahr 2004, als sie begann erste Aufzeichnungen zu machen, die in den Folgejahren fortgeführt und ergänzt wurden. Ihr Mann, Manfred Marquardt, hat sie dabei tatkräftig unterstützt insbesondere bei der Umsetzung und Gestaltung der Layouts.

 

 

Wir danken Elfriede Marquardt bereits an dieser Stelle, dass sie uns die Geschichte und die Bilder zur Verfügung gestellt hat und wir diese hier veröffentlichen dürfen.

 

 

 

Vorwort von Elfriede Marquardt

 

Während meines Älterwerdens, schweifen des Öfteren meine Gedanken zurück in meine Kinder- und Jugendzeit. Dabei kamen mir so viele Erinnerungen in den Sinn, dass ich dachte, sie für die Nachwelt aufzuschreiben. Nun, wer weiß schon von der jungen Generation, wie man früher, in den Jahren nach 1940 auf dem Abstetterhof gelebt und gearbeitet hat. In einfacher Sprache will ich querbeet erzählen, was mir eben so alles einfällt.

 

 

 

 

 

Erster Teil – Die erlebten Kriegsjahre 1943-1945

 

Der 4. Dez. 1944

 

Obwohl ich noch sehr klein war, sind mir die Kriegserlebnisse noch gut in Erinnerung.

 

So zum Beispiel, als am 4. Dez. 1944 Heilbronn bombardiert wurde. Wir Kinder lagen schon im Bett und schliefen, als Mutter uns wieder weckte mit folgenden Worten: „Mädla steht uff ond ziaget euch à, s‘ isch Fliegeralarm, mir miasa d‘s Haus verlassa s‘ isch d`r ham zu g`fährlich. Mutter flüchtete mit uns in die Leiterleshohle, wo alle anderen Hofemer (Bewohner des Abstetterhofs) ebenfalls Schutz suchten. Nur Vater hielt die Stellung daheim, er wollte partout die Tiere in den Stallungen nicht alleine lassen, damit er im Notfall die Tiere losbinden konnte, um sie zu retten. Gott sei Dank trat diese Situation nicht ein. Durch das brennende Heilbronn, war die Leiterleshohle taghell erleuchtet.

 

Im Hammelwald, nahe der großen Buche, stürzte ein deutscher Jagdflieger ab. Fast wäre er in die Leiterleshohle gestürzt, wo alle Hofemer glaubten sicher zu sein. Der liebe Gott hat uns vor allem Argen bewahrt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Elternhaus von Elfriede Marquardt

 

um das Jahr 1937

 

Einer der Piloten dieses Jagdfliegers wollte sich mit dem Fallschirm retten, welcher aber nicht aufging, so knallte der Pilot ungebremst in Vaters Grundstück im Nassacker. Er war sofort tot und hinterließ eine nach seinem Körper geformte Mulde, so stark war sein Aufprall. Der zweite Pilot lag tot im Buckelacker. Aus der Fallschirmseide hat Tante Helene Blusen genäht.

 

Ein feindliches Bomberflugzeug ist in Söhlbach abgestürzt. Nach dem Bombenangriff am 4. Dez. 1944 war Heilbronn total zerstört. Heilbronn lag in Schutt und Asche, noch tagelang hat es danach gebrannt.

 

Tausende verkohlte Leichen lagen herum. Vater hat das zerstörte Heilbronn gesehen und davon berichtet.

 

 

 

Flüchtlinge  aus den zerbombten Städten müssen im Abstetterhof untergebracht werden

 

Nach dem Heilbronner Bombenangriff wurden überlebende, ausgebombte Familien, meistens war der Vater im Krieg, auf dem Hof einquartiert. Nach dem Bombenangriff auf Heilbronn kam Ortsgruppenleiter Rosenberger aus Auenstein und hat Vater dazu bestimmt, mit Pferd und Wagen nach Heilbronn zu fahren, um noch Brauchbares zu holen.

 

 

Christian Schenk und Albert Schenk hatten jeweils ein Pferd. Die haben zusammengespannt und wurden ebenfalls von Rosenberger mit Pferd und Wagen nach Heilbronn abkommandiert. Was und wohin sie die brauchbaren Sachen brachten, weiß ich nicht mehr.

 

 

Herr Rosenberger aus Auenstein (ihm gehörte die Villa im Mühlhof), war Ortsgruppenleiter in Auenstein. Er hat die ausgebombten Familien auf den Hof gebracht und fast jedem Haus eine Familie zugeteilt. Hedel und ihre Mutter waren bei Fritz Deiß. Carles aus Böckingen wohnten hinten in Schäfers Galaberich. Karl Schenk musste eine Familie Hess aufnehmen.

 

 

Bei Otto Ritter wohnte eine ausgebombte Ärztin aus Stuttgart, mit Kind und Kindermädchen. Gleich nebenan bei Eisemanns wohnte eine einzelne Frau Schramm. Bei Weidenmanns wohnten Kisslings. Bei Kläßers Familie Faber. Emil Häußermann wurden Haags mit ihren 3 Töchtern zugewiesen.

 

 

Dort wohnten sie nur kurze Zeit, danach im oberen Stock bei Ernst Groß. Damals gab es schon Reihenhäuser. Drei Familien wohnten in dem Häuserblock, links Weidenmanns, in der Mitte Ernst Groß, der anfangs der60er Jahre aussiedelte, rechts Robert Häußermann. Später kauften Weidenmanns das Haus von Groß dazu, rissen es komplett ab und bauten ein Zwei-Familienhaus darauf.

 

 

Heute wohnt nur noch Klaus Weidenmann darin. Herr Haag war noch im Krieg. Frau Haag übernahm die Milchsammelstelle. Das Milchhäusle war ebenfalls von Granateinschüssen demoliert. Herr Haag kam unversehrt vom Krieg zurück, nahm seine alte Arbeitsstelle bei der Heilbronner Stimme wieder auf. Familie Haag war die Einzige, die sich auf dem Hof sesshaft machte, alle anderen Familien gingen wieder zurück.

 

 

Später kauften Haags das Haus samt Scheune von Robert Häußermann, der am Eingang vom Abstetterhof, gleich neben dem See, aussiedelte. Haags richteten im Obergeschoss einen Lebensmittelladen ein, den Ersten im Abstetterhof. Später bauten sie das Haus um, und richteten den Laden unten ein, wo bei Häußermanns einst der Viehstall war. In diesem Haus wohnt heute nur noch Marianne Mattheis.

 

 

Dort wo heute das Haus von Harald Streicher steht, waren früher Stall und Scheune von Ernst Groß.

 

Bei uns wohnte die Familie Stampfler aus Buxweiler (heute Bouxwiller), dem damaligen deutschen Elsass. Sie wurden bei Nacht und Nebel von der SS vertrieben, weil ihre zweitälteste Tochter über die Grenze nach Frankreich floh, zu ihrem französischen Freund. Josephine, die ältere Tochter war bei Otto Ritter Magd.

Familie Stampfler

 

 

Achille, ihr Sohn war 15 Jahre alt und schlief mit Mutter und Vater in einem Zimmer. Vater Stampfler hatte in Buxweiler ein Maurergeschäft. Als der Krieg aus war, gingen sie zu Fuß mit dem Leiterwägele heim ins Elsass.

 

 

Vater hat sie noch bis Besigheim mit dem Fuhrwerk begleitet, dort war die Neckarbrücke gesprengt, ein Weiterkommen mit Pferd und Wagen war unmöglich. Für die Stampflers begann nun ein langer Fußmarsch. Buxweiler liegt ganz im Süden vom Elsass. Josephine trat später ins Kloster ein und wurde Nonne. Achille übernahm das elterliche Maurergeschäft.  

           

 

Eine ausgebombte Familie Hauber aus Heilbronn wurde bei uns mit ihren 6 Kindern im oberen Stock einquartiert. Sie mussten sich die Zimmer mit Stampflers teilen. Die älteste Tochter Anneliese war schon verheiratet und hatte ihren kleinen Sohn Bernd mitgebracht, ihr Mann war Leutnant und im Krieg. Sie haben ebenfalls bei uns Unterschlupf gefunden. Die zweitälteste Tochter Elfriede war an der Front, als Flakhelferin, kam aber nach dem Krieg ebenfalls zu uns. Margot besuchte eine höhere Schule und ging später mit einem Amerikaner nach Amerika. Richard, Renate und Rolf gingen mit uns nach Auenstein zur Schule. Als Vater Hauber vom Krieg nach Hause kam, bekam er in Heilbronn, im zerbombten Lehrerseminar, eine Hausmeisterstelle.

 

 

Im Seminarkeller mussten sie zuerst mit der Schippe von Hand den Schutt wegräumen, um eine notdürftige Wohnung einzurichten. Mit fast nichts konnten sie nun einen Neuanfang beginnen. Beim Bombenangriff war alles verbrannt, nur ihr Leben und was sie am Leib trugen, konnten sie retten. Etwa 2 ½  Jahre wohnten sie in Harmonie mit uns unter einem Dach.

 

 

 

Die letzten schrecklichen Kriegswochen

 

Kurz vor Kriegsende, als der Krieg längst verloren war, wurden alle einigermaßen gesunden Männer, im Alter von um die 40 bis über 50 in den Volkssturm eingezogen.

 

Auch 15- bis 18-jährige Buben wurden nach kurzer Ausbildung eingezogen und an die verschiedenen Einheiten verschickt. Herr Weber aus Auenstein kam beim Volkssturm bis nach Heinriet, dort ist er gefallen. Deutsche Soldaten brachten ihn heim nach Auenstein zu seiner Frau Frida, und legten ihn in die Scheune. Seine Kinder schaufelten ihm ein Grab und begruben ihren Vater.

 

 

Mit relativ alten Männern und Kindern meinten die „Braunhemden“, den Krieg noch zu gewinnen.

 

 

Rosenberger wollte in den letzten Kriegstagen Alfred Eisemann und Achilles Stampfler, als 15-und 16-Jährige zum Volkssturm holen. Karl Eisemann hat sich ihm beherzt entgegengestellt und vom Hof gejagt.

 

 

Bei Kriegsende hat sich ein General „von Mühlen“ mit seinem Burschen samt Fahrer im Abstetterhof eingenistet und versteckt. Der General hat sich ohne zu fragen, bei Karl Schäfer im Wohnzimmer einquartiert. Sein Bursche und sein Fahrer waren bei uns, der Familie Lederer, einquartiert. General von Mühlen schickte seinen Fahrer mit Lebensmittel in sein Heimatdorf am Bodensee zu seiner Familie, ließ sich von dort Privatkleider bringen, damit er ohne Uniform abhauen konnte, wann er wollte.

 

 

Das Versteck wurde ausfindig gemacht, deshalb wurde der Abstetterhof mit Granaten beschossen, einige Häuser wurden sogar beschädigt.

 

 

 

Kurz vor Kriegsende, an einem Sonntagnachmittag im April, kamen zwei Feldjäger, Kettenhunde genannt, das sind höher gestellte Soldaten mit einer Kette um den Hals, an der unten eine Plakette angebracht war, mit einem Einachswägelchen, und holten kurzerhand Vaters bestes Pferd, die Fanni, aus dem Stall, spannten sie neben ihr Pferd und fuhren im Karacho aus dem Hof. Vater konnte sich nicht dagegen wehren, er konnte nur noch mit Tränen in den Augen hinterher sehen. Zilli, Fannis Schwester, ließen die Soldaten im Stall stehen, denn sie war hoch trächtig.

 

 

Meine Base Eleonore Fischer, geborene Lederer, aus Besigheim, hat mit ihrem kleinen Töchterchen Herta und ihrer Mutter, die letzten Kriegstage, bei uns auf dem Hof verbracht. Eleonore und Onkel Otto, ihr Vater, waren der Meinung, bei Tante Paula und Onkel Fritz auf dem Hof sicherer zu sein. Ihr Mann Walter Fischer war fort im Krieg. Sie ist mit Hertas schönem Korbkinderwagen, ihrem Sportwagen und ihrer Mutter, begleitet von Onkel Otto in ca. 3 Stunden Fußmarsch auf den Hof gelaufen. Unterwegs wurden sie zwei Mal von Tieffliegern beschossen, passiert ist Gott sei Dank nichts.

 

In den Kinderwagen packten sie Kleider und Bettzeug, in den Sportwagen die kleine Herta, damals 1 ½ Jahre alt.



Korbkinderwagen

 

Jeder hatte zusätzlich einen vollgestopften Rucksack auf dem Rücken, so kamen sie auf den Abstetterhof.

 

Meine Mutter kam auf die Idee, kleine Möbel, Wertgegenstände und Hertas Korbkinderwagen unter einen Birnbaum neben dem Hühnerstall zu stellen, um sicher zu sein, dass dort nichts passiert. Ausgerechnet dort schlug eine Granate ein und zerriss alles, was darunter deponiert war, auch zum Teil den Birnbaum.

 

Inzwischen schliefen wir mit bis zu 29 Personen in Vaters großem Keller, der unter den beiden Häusern, von Karl Schäfer und Paula Schäfer war, und vom Hof aus über eine große Treppe zugänglich war. Jeder brachte seine Matratze und Decke mit und legte sie hin, wo es Platz hatte.

Eingang zum Keller der Familie Lederer

 

 

So schliefen wir 16 Tage lang in den Kleidern, Person neben Person.

 

Jeder war froh, wenn die Nacht wieder rum war. Auf der obersten Treppenstufe hielten die Männer abwechselnd Wache, die ganze Nacht über.

 

 

Bereits Tage vor Kriegsende haben sich die Einheiten der Soldaten völlig zerschlagen. Jeder irrte ziellos umher und versteckte sich irgendwo, um einigermaßen das Kriegsende zu erleben und wieder nach Hause zu kommen.

 

 

Mutter hat einem kraftlosen, sich von seiner Einheit getrennten Soldaten Unterschlupf gewährt, obwohl sie wusste, dass sie sich strafbar machte. Sie hat ihn versteckt in einer Kammer über dem Heuboden, er wollte nichts als schlafen, so müde und abgekämpft war er. Am andern Tag kamen zwei Kettenhunde, so wurden sie genannt, haben ihn aufgespürt und als Fahnenflüchtigen mitgenommen.

 

 

Auf dem Abstetterhof haben sich noch zwei Deserteure versteckt, die von den Feldjägern aufgespürt wurden und standrechtlich in Kläßers Garten, wo heute Richard Deiß Haus steht, erschossen. Im Freien wurden die Fahnenflüchtigen verurteilt. Das Standgericht bestand aus einem kleinen Tisch, einigen Stühlen und höheren Offizieren.

 

 

Als die Amerikaner immer näher kamen und nur wenige Kilometer von Auenstein entfernt waren, wurde es für Herrn Rosenberger zu brenzlich.

 

 

Er floh vor den Amerikanern in seinen Heimatort Jux, dort versteckte er sich, denn er hatte so manch Schlimmes auf seinem Kerbholz.

 

 

 

 

Der Einzug der Amerikaner auf dem Abstetterhof

 

Am 20. April 1945 (Hitlers Geburtstag), ein schöner warmer Frühlingstag, zogen die Amerikaner mit ihren Panzern und Jeeps ohne Gegenwehr im Abstetterhof ein. Sie kamen über das Bächlesfeld, wo heute das Anwesen von Otto Schäfer steht, nicht auf dem Weg, sondern über das Feld wegen der Minengefahr.

 

Viele Jahre danach waren die Panzerspuren noch sichtbar. Bevor sie auf den Verbindungsweg zwischen Abstetterhof und Ilsfeld fuhren, hielten sie an und überzeugten sich, ob nicht doch Minen gelegt sind. Alle Hofemer sind den Kriegsbefreiern entgegen gelaufen. Johann, unser Kriegsgefangener aus Polen, hat sein Leintuch zur Heuaufzugslucke hinausgeschwenkt.

 

Das war für die Amerikaner das Zeichen, dass sich der Abstetterhof ergeben hat und sie ohne Gegenwehr in den Hof einfahren können. Doch bevor sie in den Hof einfuhren, haben sie Margot Hauber auf einen Panzer gehoben, sie musste dolmetschen. Margot hatte in Heilbronn eine höhere Schule besucht, daher konnte sie etwas Englisch.

 

 

Die Amerikaner zogen in die Häuser zum Übernachten ein. Die Hofemer Einwohner mussten die Nacht in ihren Kellern verbringen, wie schon 16 Tage zuvor. Niemand durfte den Keller verlassen, geschweige mal herausspicken, das war gefährlich, denn es standen bewaffnete Wachposten davor. Am nächsten Morgen zogen sie sehr früh wieder weiter, was Vater sehr recht war, denn das Vieh im Stall wurde laut, es wusste ja nichts von den Auflagen und Einhaltungen unserer Besatzer.

 

 

Unser Keller war ein sehr tiefer Gewölbekeller unter den beiden Schäfer- Häusern. Ein Mostlager mit mindestens 8 Fässern, Kartoffeln und Angerschen (Futterrüben) lagerten da unten. Elektrisches Licht gab es nicht, nur eine Laterne, die für den großen Keller nur ein spärliches Licht gab. 29 Personen haben die Nächte auf Kartoffeln, Angerschen  und nacktem Erdboden verbracht.

 

 

Die Landwirtschaft während des Krieges und ihre Auflagen

 

Vater bekam zur Auflage, vom Landratsamt oder der Gemeinde, das weiß ich nicht mehr, Flachs anzubauen. Der Flachs kam nach Neckarsulm in die Spinnerei, Weberei und Tuchfabrik Spohn. Dort wurde der Drillichstoff für die Kampfanzüge der Soldaten gemacht. Der Flachs wurde von Hand gerupft. In den ersten 2 Jahren wurden die Schüler der letzten 3 Schulklassen zum Flachsrupfen verpflichtet. Mutter hat für die Schüler aus selbst getrockneter Minze,  Pfefferminz Tee gekocht. Täglich eine 10 Liter Milchkanne voll.

 

In den nächsten Jahren wurde von der Fa. Spohn eine von einem Pferd gezogene Rupfmaschine zum Rupfen gestellt.

 

Sobald der Flachs trocken und rasseldürr war, wurde er von Hand zu kleinen Garben gebündelt, auf den Leiterwagen geladen und  zum Bahnhof nach Auenstein gefahren. Dort wurde er in einen Waggon verladen und per Bahn nach Neckarsulm verschickt.

Bahnhof Auenstein

 

Vater bekam auch zur Auflage "gelbe Rüben" für die Wehrmacht und die Zivil- Bevölkerung anzubauen.

 

Sobald die Gerste eine bestimmte Höhe hatte, wurden die gelben Rüben von Hand zwischen die Gerstenpflänzchen gesät und von Hand mit dem „Felghaile“ (schmale Hacke) eingearbeitet. War die Gerste geerntet, hatten die gelben Rüben, Licht, Luft und Platz zum Wachsen. Im Herbst wurden die gelben Rüben von Hand mit dem Rübenstecher angehoben, rausgezogen und mit dem Kräutlich gebündelt. Ebenso wie beim Flachs wurden die gelben Rüben mit dem Fuhrwerk zum Bahnhof gefahren, in einen Waggon verladen und nach Heilbronn verschickt.

 

Für uns Hofemer (Bewohner vom Abstetterhof) war der Krieg, am 20. April 1945 mit dem Einzug der Amerikaner zu Ende, offiziell zwar erst am 8. Mai 1945.

 

Die Amerikaner haben uns von den Schrecken und Ängsten des Krieges erlöst.

 

Vom Abstetterhof waren folgende Männer als Soldaten im 2. Weltkrieg:

 

 

 

Baier, Emil                           Heimkehrer

 

Deiß, Fritz                           gefallen und vermisst

 

Deiß, Richard                      Heimkehrer, Kriegsversehrt

 

Deiß, Eugen                        Heimkehrer, Kriegsversehrt

 

Hohn, Helmut                     gefallen

 

Häußermann, Emil             Heimkehrer

 

Häußermann Paul              gefallen

 

Häußermann Fritz              gefallen  mit 19 ½ Jahren

 

Häußermann Kurt              Heimkehrer

 

Kläßer Gerhard                  Heimkehrer

 

Weidenmann Otto             Heimkehrer, Kriegsversehrt

 

 

 


Rückblick – Wiedereröffnung des Museums im „Alten Lehrerwohnhaus“

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben Nr. 43  vom 26.10.2023

 

 

 

Nach einer längeren Pause war es nun wieder soweit, am Sonntagnachmittag, den 15.10. hatte das Heimatmuseum wieder seine Türen für Besucher geöffnet. Pünktlich um 14.00 Uhr kamen die ersten Besucher um die neu gestaltete Ausstellung zu besichtigen. Ein Themenschwerpunkt der Ausstellung ist der Frauenalltag im 19. Jahrhundert. Banner wurden an den Wänden befestigt, die von der Geschichte des Frauenalltags im vorigen Jahrhundert berichten. Viele Gegenstände aus früheren Zeiten erinnern an den damaligen Alltag. In der historischen Küche können viele Gebrauchsgegenstände besichtigt und auch in die Hand genommen werden, mit denen man früher gekocht und das Essen zubereitet hatte. Im Schrank des Nachbarzimmers hat man eine ganze Reihe unterschiedlicher Bügeleisen aus früheren Zeiten aufgestellt. Einige ältere Besucher erinnerten sich noch daran, wie ihre Großmutter oder Urgroßmutter mit solchen die Wäsche gebügelt hat und mache Erinnerung wurde beim Anblick der Gegenstände wieder wach.

 

 

 

An diesem Sonntag war es zudem möglich einen Blick in die obere Etage des „Alten Lehrerwohnhauses“ zu werfen, in dem eine kleine Bibliothek, das Archiv und der Besprechungsraum untergebracht sind.

 

Als kleine Überraschung hatte das Team vom Heimatverein, für alle die Lust auf einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen hatten, im Wohnzimmer des Museums einen Tisch gedeckt und zum Kaffeeplausch eingeladen.

 

 

Die nächsten Termine, an denen das Museum im Alten Lehrerwohnhaus geöffnet hat, sind der 19. Nov. und der 17. Dez. 2023.

 

 

M. Braun

 




Der Kampf des Pfarrers Wilhelm Berner um die Diakonissenstation in Auenstein 1937 - Wilhelm Berner, Pfarrer in Auenstein 1932-1952

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben Nr. 28-30  vom 13.07. - 27.07.2023

 

Als Pfarrer Berner sein Amt in Auenstein 1932 antrat, begrüßte die Gemeinde das frischgetraute Ehepaar Berner mit einem Hochzeitsgeschenk, einer elektrischen Bratpfanne.

Seine Frau, Theresia Berner, kurz Resi genannt, hatte als junges Mädchen einige Jahre in Chicago bei einer deutschen Familie die Kinder betreut. Ohne Schwierigkeiten konnte sie sich in die neuen Aufgaben, die das Amt ihres Mannes auch für sie brachte, hineinfinden.

Pfarrer Berner

 

Da Esslingen die Heimat der Familie Berner war, wurden die Tochter 1933 und der Sohn 1935 dort geboren. Vielleicht aber, waren auch andere Gründe ausschlaggebend.

 

Schon früh begann sich abzuzeichnen, dass nach der Wahl Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, die nationalsozialistische Partei, also die NSDAP, Einfluss auf die Kirchen und die Pfarrer nehmen würde.

 

Die Reichsregierung beschloss für die Kirchengemeinderäte eine Neuordnung. So mussten die Gemeinden dafür Sorge tragen, dass 70% nationalistischer Christen (Mitglieder mit Parteibuch) im zukünftigen Kirchengemeinderat sind.

 

Um einen Machtkampf zu vermeiden, beschließt der KGR die vom Oberleiter Rosenberger vorgeschlagenen Herren auf den Wahlzettel zu setzen.

 

1933 muss eine Hakenkreuzfahne für das Pfarrhaus angeschafft werden.

 

 

1934 wird der Kirchenbezirkstag in Marbach verboten. Er wird trotzdem abgehalten.

 

 

1935 hält Reichsbischof Ludwig Müller in Marbach eine Rede mit anschließender Kundgebung. Auf der Einladung dazu wurde Pfarrer Berner im Anhang mitgeteilt:

 

 

„Die Abführung gewisser Pfarrer in Konzentrationslager ist nach amtlicher, staatlicher parteiseitlicher Mitteilung wegen Eingreifens in den Kirchenstreit durch verbotene Kanzelverkündigungen… veranlasst. Der Herr Reichsbischof hat damit nichts zu tun….

 

 

 

Pfarrer Berner dankt für die Einladung und schreibt:

„Meine Frau und ich legen keinen Wert darauf, einen Mann zu sehen und zu hören, der vom Frieden redet und Unruhe bringt, der schon so oft von Liebe gepredigt und Gewalt geübt hat.“

Konfirmation 1935 mit Pfarrer Berner

 

1935 mischt sich der Ortsgruppenleiter Rosenberger in die Gestaltung des Erntedankfestes ein und schreibt:

 

„Wir müssen das Programm für das Erntedankfest festlegen. Unter dieses Programm fällt selbstverständlich geschlossener Kirchgang. Ich kann mich dazu aber nur entschließen, wenn ich die Zusicherung von Ihnen bekomme, dass bei der Predigt nicht ein Textwort von einem Judenlumpen (einschließlich dem Saul) zugrunde gelegt wird. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir vorher auf obiges mit ja oder nein antworten könnten.“

 

 

1936  Wie mutig Pfarrer Berner dem Druck standhielt, zeigen seine Antworten auf Rosenbergers Schreiben:

 

 

1. Einladung zum Kreistag in Marbach

 

Berner: krankheitshalber verhindert

 

 

2. „Um in Zukunft bei Rundschreiben nicht mehr Gefahr zu laufen, dass solche Sachen von alten und neugierigen Weibern ausgeschlachtet werden, ist untenstehendes zu unterschreiben“…

 

Berner:  Das widerspricht meinen ehelichen Pflichten.

 

3. Ich erkläre feierlichst, dass ich über die Judenfrage aufgeklärt bin und mit keinem Juden mehr etwas zu tun haben will.

 


Berner: Sofern es sich um wirtschaftliche und nicht um religiöse Dinge handelt.“

 

1937 wird den Pfarrern angedroht, dass sie - falls sie nicht das Treuegelöbnis auf den Führer ablegen - ihren Dienst aufgeben sollen. Religionsunterricht darf dann nicht mehr erteilt werden und die staatlichen Zuschüsse zu den Pfarrgehältern werden gesperrt.

 

Pfarrer Berner reagiert darauf und schreibt an den Schulrat in Ludwigsburg:

 

„Als evangelischer Pfarrer bin ich entsprechend meinem Ordinationsgelübde an die Heilige Schrift gebunden, und diese Bindung geht bei letzten Entscheidungen für einen evangelischen Christen jeder anderen Verpflichtung vor.“

 


Am 4. Juli 1937 teilt Pfarrer Berner vor der Predigt seiner Gemeinde mit, dass ihm der Religionsunterricht verboten wurde.

 


Jetzt richtet sich der Druck auch auf Therese Berner, die Pfarrfrau. Die Mitgliedschaft in der NS-Frauenschaft wird ihr entzogen, u.a. weil sie sich nicht auf den Führer verpflichten ließ.

 


Die Schikanen seitens der NSDAP nehmen zu und gipfeln schließlich in dem Streit um die Gemeindeschwester.

 

Auenstein und Abstatt hatten gemeinsam seit 1928 einen Krankenpflegeverein. Um 1938 hatten dort 330 Familien eine Mitgliedschaft.

 

Diakonissen aus Schwäbisch Hall wurden vom Krankenpflegeverein gerne in Auenstein gesehen. So wurde, als Schwester Marie Schanz 1935 ins Mutterhaus zurückkehrte, wieder eine Diakonisse von dort nach Auenstein entsandt.

 

Bald aber schon stellte sich heraus, dass Schwester Luise G. dem nationalistischen Gedankengut näher stand, als dem christlichen. Das Mutterhaus in Schwäb.Hall reagierte und versetzte Schwester Luise G. nach Rottweil.

 

An ihre Stelle kam die Diakonissin Rösle Hannemann nach Auenstein.

 


Der Ortsgruppenleiter schäumte vor Wut. Vergeblich versuchte er, Pfarrer Berner zum Rücktritt als Vorsitzender des Krankenpflegevereins zu bewegen.

 


Die Idee, einen zweiten Krankenpflegeverein zu gründen schien die Lösung. Doch alles Werben bei den Bürgern in Auenstein und Abstatt, die Mitgliedschaft zu wechseln, fand wenig Anklang. Da tauchte am 20.04.1938 Schwester Luise G.  überraschend als NS-Schwester in Auenstein wieder auf und arbeitete nun mit Unterstützung von Kreisleiter Drauz für den neuen Krankenpflegeverein. (Drauz wurde 1946 wegen zahlreicher Kriegsverbrechen in Heilbronn hingerichtet).

 


„Es geht um die Zerstörung der Diakonissenstation“, schreibt Pfarrer Berner an den Oberkirchenrat in Stuttgart, als Verleumdungen und Schikanen gegen die Pfarrfamilie zunehmen.Nachts werden Plakate am Pfarrhaus und anderen Plätzen im Ort aufgehängt, eine Tür am Pfarrhaus mit Parolen beschmiert, um mit Lügen und Anschuldigungen den Pfarrer und seine Frau zu denunzieren.

 

Schwester Luise verbreitet bei Krankenbesuchen üble Lügen über Frau Berner, so z.B., man habe im Abort des Pfarrhauses „Pariser“ gefunden, der Frau Berner reiche ihr Wilhelm wohl nicht, sie brauche ein kleines Hummele, auch würde sie anderen Männern zu nahe kommen.

 

Schließlich wehrt sich das Ehepaar Berner mit einer Anzeige beim Gericht gegen solche Verleumdungen.

 

Als die genannten Zeugen befragt werden, wissen diese plötzlich nichts mehr, haben nichts gesagt oder reden sich heraus. Klage und Gegenklage enden im Februar 1939 mit einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart.

 

Der Kampf um die Gemeindeschwester geht dennoch weiter. Drohungen, dass die SS in Heilbronn das Thema kenne, dass Rosenberger gesagt habe, er werde noch einige totschlagen (in Auenstein) etc. konnten Pfarrer Berner nicht von seinem Weg abbringen.

 


Sein damals 10jähriger Sohn erinnert sich später:

 

 „Mein Vater wurde am 1. Kriegstag eingezogen und ist bei Tagesanbruch mit dem Fahrrad weggefahren. Eine halbe Stunde später kam die Gestapo und wollte ihn abholen“

 

1942 sind immer noch zwei Schwestern im Ort. Diakonisse Helene Jäckle ist von den Olgaschwestern aus Stuttgart gekommen. Für sie kämpft nun Frau Berner, damit sie nicht in ein Feldlazarett versetzt wird.

 


Dass der Kampf um die Diakonissenstationen beispielhaft war, zeigt ein Schreiben, das der Oberkirchenrat Lempp 1945 an das Dekanat Marbach richtet. Darin spricht er Herrn und Frau Pfarrer Berner für die entschlossene und umsichtige Durchführung dieses Kampfes seinen Dank aus.

 


„Ohne Auenstein wäre der im Ganzen siegreich gebliebene Kampf um die Diakonissenstationen unseres Landes wahrscheinlich schwerer geworden, als dies tatsächlich der Fall war.“

 


Am Ende des Krieges, nach 5-jähriger Soldatenzeit, kam Pfarrer Wilhelm Berner in Remagen in amerikanische Gefangenschaft und anschließend in das Lager in HN-Böckingen. Am 1. September 1945 konnte er ins Pfarrhaus zu seiner Familie in Auenstein zurückkehren.

 

In zwei Gemeinden, Auenstein und Abstatt, übernahm er wieder das Amt des Gemeindepfarrers.

 

Bis die bürgerliche Verwaltung im Dorf wieder richtig funktionierte, organisierte Pfarrer Berner viele Verwaltungsaufgaben für die Gemeinde.

 

Sein Sohn Wilhelm Berner jun., Richter i.R. in Esslingen, berichtet in einem Brief:

 

„Die Errichtung des Wasser-Reservoirs zwischen Helfenberg und Auenstein geschah unter seiner Führung. Es musste Geld eingetrieben werden, Anliegen bei den Ämtern vorgebracht und vielen Bürgern bei der Abfassung von schriftlichen Anträgen geholfen werden.

 

Quasi alles offiziell Schriftliche ging durch seine Hände, bis wieder ein Bürgermeister eingesetzt war und die Gemeindeverwaltung arbeiten konnte.

 


Es war eine schwere Zeit. Im Dorf waren viele Evakuierte aus Stuttgart und vor allem aus Heilbronn. Es kamen viele Vertriebene, darunter waren Familien, die mit Pferden und Wagen nach Auenstein kamen. Die Wohnungsnot war groß und Arbeit gab es nicht. Die Betriebe zu Heilbronn waren weitgehend zerstört.

 


Meine Mutter hat viel dazu beigetragen. Sie hat niemand hungrig weiter geschickt. Monatelang haben im Pfarrhaus im sogenannten Gartensaal im Erdgeschoss entlassene deutsche Kriegsgefangene auf ihrem Weg in ihre Heimat übernachtet und in der Waschküche sich gewaschen. Jeden Abend hat meine Mutter einen großen Topf Warmverpflegung gekocht. Die Lebensmittel dafür bekam sie von den Bauern, bei denen sie nie vergeblich um Hilfe gebeten hat.

 


Vielen deutschen Kriegsgefangenen, die im Gefangenenlager in Böckingen waren, hat mein Vater zur Entlassung verholfen, weil er sie als Knechte zu den Bauern vermittelte. Viele sind nur kurz in Auenstein geblieben, manche sind auch hier hängen geblieben. Für meinen Vater galt es zuerst, Menschen zu helfen.

 


Aber auch beide Kirchen waren durch Granateinschläge beschädigt. Das Dach der Auensteiner Kirche hatte ein großes Loch und alle Fensterscheiben waren beschädigt. Durch die Witterungseinflüsse ging auch die Orgel kaputt.

 

Der Kirchturm von Abstatt hatte durch einen Granattreffer ein großes Loch. Für die Instandsetzung konnten Holz, Balken und Dachziegel, Fensterglas und für den Abstatter Turm Blechstücke von Pfaffenhofen herbeigeschafft werden.

 

Vor der Währungsreform, vor dem 20. Juli 1948, ging die Materialbeschaffung nur im Wege des Tauschhandels. Lebensmittel und vor allem Wein wurde von den Bauern gespendet. Organisiert hat alles mein Vater.

 

Für die Auensteiner Kirchenorgel hat die Fa. Walker in Ludwigsburg 10 Register vor den Spieltisch wenige Tage vor der Währungsreform geliefert. Ganz schnell hat mein Vater mit der Alten Reichsmark bezahlt, in DM hätte die Kirchengemeinde damals nicht bezahlen können. Aber für den Bau der 10 Register der Orgel musste viel Material von Auenstein nach Ludwigsburg geliefert werden. Schaffelle für die Blasebalge, Zinn für die Orgelpfeifen u.a. Die Schaffelle hat ein Schäfer „schlachtfrisch“ geliefert. Es wurde auf dem Dachboden des Pfarrhauses getrocknet. Der Gestank war schlimm und es hat Ratten ins Haus gelockt.“

 

„Sieben Jahre lang hat mein Vater jeden Sonntag um ½ 10 Uhr in Auenstein um ½ 11 Uhr zu Abstatt Gottesdienst gehalten. Er hat in der Schule Religionsunterricht und natürlich auch Konfirmandenunterricht gehalten. Jeden Sonntag hat er am Nachmittag eine altpietistische Stunde gehalten entweder zu Auenstein, Helfenberg, Abstetterhof und manchmal auch in Wüstenhausen. Noch am Abend war Mädchenkreis im Pfarrhaus in Auenstein.

 

Wir Kinder haben keinen Vater am Sonntag, nur an Spätnachmittagen für 1 bis 1 ½ Stunden gehabt.

 

Die Wege zu seinen Gemeinden und Filialen musste mein Vater anfangs zu Fuß, später mit einem alten Fahrrad zurücklegen. Er war bei jedem Wetter unterwegs und hat unendlich viele Hausbesuche bei Kranken und Alten gemacht. Die Gemeindeglieder waren ihm ganz wichtig und das Pfarrhaus stand für jeden offen“, schreibt sein Sohn Wilhelm Berner jun. in einem Brief.

 


Unter großem Bedauern der Kirchengemeinde verließ Pfarrer Berner mit seiner Familie im Jahr 1952 Auenstein.

 


Jubiläumsrätsel 2023

Konfirmation 1952 mit Pfarrer Berner

 

Die Martinskirche in Oberesslingen wurde seine neue Wirkungsstätte. Dort übernahm er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1973 das Amt des Pfarrers. Manche seelsorgerischen Aufgaben hat er danach noch wahrgenommen und auch ein Buch über Oberesslingen und die Martinskirche geschrieben.

 

Am 29. Juni 1981 ist Pfarrer Berner in Esslingen verstorben. Seine Frau am 15. Februar 1994, ebenfalls in Esslingen.

 

Quellen:

 

Original Akten und Schriftstücke aus dem Nachlass von Pfr. Berner,Esslingen

 

Mündliche und schriftliche Mitteilungen von Wilhelm Berner jun.

 

 

 

Astrid Schulz

 

Der Heimatverein hatte dieses Jahr zu einem ganz besonderen Rätsel über die Ferienzeit eingeladen. Leider konnte das 500-jährige Jubiläum des Bartholomäusmarktes/Holzmarktes auf Grund der Corona-Pandemie nicht gefeiert werden. Der uralte Markt, bestehend aus Holzmarkt und Kirchweihfest heißt Bartholomäusmarkt. Mit diesem Namen ist er auch in einem Lagerbuch aus dem Jahr 1521 – also vor 500+2 Jahren – erwähnt.

 

Walter Conrad hatte 13 interessante Fragen zur Geschichte und den Begebenheiten rund um den Holzmarkt/Bartholomäusmarkt zusammengestellt.

 

Das Lösungswort unseres Jubiläumsrätsels lautete: Kirchweihfest

 

Von den 36 eingegangen Lösungen waren 28 richtige Antworten dabei.

 

Die Auslosung fand am 31.08.2013 im Museum im Alten Lehrerwohnhaus statt.

 

Als Preise gab es insgesamt 10 Gutscheine im Wert von 50 EUR, 30 EUR. 20 EUR und 10 EUR zu gewinnen.

 

Die glücklichen Gewinner der Preise 1 – 3  sind:

 

1.     Preis:          Jule Klaiber

 

2.     Preis:          Christel Behling-Merkt

 

3.     Preis:          Beate Lang

 

 

 

Erwähnung des Bartholomäusmarktes im Lagerbuch aus dem Jahr 1521

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die richtigen Antworten auf unsere Rätselfragen.

 

Frage Nr. 1

 

Bartholomäus ist der Namensgeber des 1521 erwähnten Marktes. Bartholomäus war

 

O       Ein Apostel Jesu             ( K )

 

 

 

Frage Nr. 2

 

Die Ersterwähnung des Marktes im Jahr 1521 enthält den Satz:

 

O       Ist von alther also gehalten       ( I )

 

 

 

Frage Nr. 3

 

Der Bartholomäusmarkt wurde von einer Marktwache beschützt. Die Marktwache wird erstmals erwähnt

 

O       im Jahr 1521        ( R )

 

 

 

Frage Nr. 4

 

Die Ersterwähnung des Bartholomäusmarktes im Jahr 1521 regelte

 

O       das Standgeld, das die Markthändler bezahlen mussten und die Verwendung der Einnahmen         ( C )

 

 

 

Frage Nr. 5

 

Der bekannte Ilsfelder Holzmarkt entwickelte sich aus dem Bartholomäusmarkt,

 

O       weil östlich von Ilsfeld waldreiche Gebiete liegen und in den Gemeinden    westlich der Weinbau stark vertreten ist. Ilsfeld war der ideale Platz für

 

          Holzhandel      ( H )

 

 

 

Frage Nr. 6

 

Der Markt wurde einst vom Bereich um die Kirche auf das freie Feld verlegt. Heute ist dort das Schulzentrum. Die Äcker dort nannte man

 

O       Hofäcker                        ( W )

 

 

 

Frage Nr. 7

 

Warum wurde der Markt zum heutigen Schulzentrum verlegt?

 

O       weil die Händler und Käufer mit Pferdefuhrwerken kamen. Die Versorgung der Pferde mit Wasser war dort besser möglich   ( E )

 

 

 

Frage Nr. 8

 

Im Jahr 1616 wurde schon im August auf dem Bartholomäusmarkt neuer Wein ausgeschenkt. Den Wein lieferte

 

O       der herrschaftliche Verwalter aus Mundelsheim     ( I )

 

 

 

 

 

 

 

Frage Nr. 9

 

Ilsfelder Wirte konnten beim Markt Speisen und Getränke anbieten. Im Jahr 1843 erhielten dazu die Erlaubnis

 

O       neun Wirte                     ( H )

 

 

 

Frage Nr. 10

 

Ein für Ilsfeld wichtiger Mann lernte seine Frau auf dem Holzmarkt kennen. Die Hochzeit fand 1843 statt. Wer war dieser Mann?

 

O       Rudolf Vollmöller, Kaufmann (1818-1868)           ( F )

 

 

 

Frage Nr. 11

 

Wann fand der Markt nach dem II. Weltkrieg erstmals wieder statt?

 

O       1946 – im ersten Jahr nach Ende des Krieges        ( E )

 

 

 

Frage Nr. 12

 

Den Antrag zur Genehmigung des ersten Marktes nach dem II. Weltkrieg stellte

 

O       der Apotheker Frank als (stellvertretender) Bürgermeister        ( S )

 

 

 

Frage Nr. 13

 

Im Jahr 1972 fand auf dem Holzmarktstoppelfeld eine „Holz- und Stoppelfeldolympiade“ statt. In welchen Disziplinen fanden Wettkämpfe statt?

 

O       Zuberwettlauf, Wettdreschen und Stelzenwettlauf           ( T )

 

 

Mit unserem Rätsel wollten wir das Interesse an der Geschichte des Ilsfelder Holzmarktes wecken. Wer sich dafür interessiert und weitere Hintergrundinformationen nachlesen möchte, dem empfehlen wir das Buch : 

„Vom Bartholomäusmarkt zum Holzmarkt mit Kirchweihe und Krämermarkt in Ilsfeld: Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart“, das der Heimatverein herausgegen hat und über den Heimatverein, Email-Adresse [email protected]  bezogen werden kann.

 

 

 

Die Vorstandschaft

 


Jubiläumsrätsel 2023

Der Heimatverein lädt Sie dieses Jahr zu einem ganz besonderen Rätsel über die Ferienzeit ein. Leider konnte das 500 jährige Jubiläum des Bartholomäusmarktes/Holzmarktes auf Grund der Corona-Pandemie nicht gefeiert werden, aber dieses Jahr wird es, nach dieser Zwangspause wieder einen Holzmarkt geben. Der uralte Markt, bestehend aus Holzmarkt und Kirchweihfest heißt Bartholomäusmarkt. Mit diesem Namen ist er auch in einem Lagerbuch aus dem Jahr 1521 – also vor 500+2 Jahren – erwähnt.

 

Walter Conrad hat 13 interessante Fragen zur Geschichte und den Begebenheiten rund um den Holzmarkt/Bartholomäusmarkt zusammengestellt.

 

Mit unseren Rätselfragen wollen wir Sie dazu ermuntern, auf Spurensuche zu gehen.

 

 

Hilfestellung für die Beantwortung der Fragen kann Ihnen das Buch:  „Vom Bartholomäusmarkt zum Holzmarkt mit Kirchweihe und Krämermarkt in Ilsfeld: Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart“, geben das vom Heimatverein herausgegeben wurde.

 

Noch haben Sie die Chance an unserem Jubiläumsrätsel teilzunehmen.

 

Einsendeschluss ist Mittwoch, der 30.08.2023

 

Mitmachen lohnt sich, denn wir verlosen insgesamt 10 Gutscheine im Wert von 50 EUR, 30 EUR. 20 EUR und 10 EUR. Die Gewinner werden per Los ermittelt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Hier haben wir nochmals alle Fragen zusammengestellt.

 

Hinter jeder Frage stehen 3 Lösungsvorschläge, eine davon ist richtig. Hinter dem Lösungsvorschlag finden Sie einen Buchstaben in Klammern.

 

Tragen Sie den Buchstaben der richtigen Lösung in das unten abgedruckte Lösungsfeld ein und Sie haben es geschafft.

 

Das Lösungswort senden Sie entweder per E-Mail an die Adresse des Heimatvereins ([email protected]) oder Sie schneiden das Lösungswort mit Angabe ihrer Adresse am Ende aus und werfen es in den Briefkasten des Heimatvereins in Ilsfeld, Charlottenstr. 7 (neben der Polizei).

 

 

Erwähnung des Bartholomäusmarktes im Lagerbuch aus dem Jahr 1521

 

 

 

Frage Nr. 1

 

Bartholomäus ist der Namensgeber des 1521 erwähnten Marktes. Bartholomäus war

 

O       Graf von Württemberg   ( H )

 

O       Ein Apostel Jesu             ( K )

 

O       Ortsherr in Ilsfeld           ( B )

 

 

 

Frage Nr. 2

 

Die Ersterwähnung des Marktes im Jahr 1521 enthält den Satz:

 

 

 

O       Der Bartholomäusmarkt findet jedes Jahr statt                 ( O )

 

O       Der Ortsvorsteher eröffnet den Bartholomäusmarkt        ( A )

 

O       Ist von alther also gehalten                                             ( I )

 

 

 

Frage Nr. 3

 

Der Bartholomäusmarkt wurde von einer Marktwache beschützt. Die Marktwache wird erstmals erwähnt

 

O       im Jahr 1521        ( R )

 

O       nach Ausbruch des 30-jährigen Kriegs im Jahr 1618       ( L )

 

O       nach dem Einfall eines französischen Heers im Schozachtal 1693      ( S )

 

Frage Nr. 4

 

Die Ersterwähnung des Bartholomäusmarktes im Jahr 1521 regelte

 

O       den Anfang und das Ende des Marktes         ( Z )

 

O       die Preise für Speisen und Getränke            ( T )

 

O       das Standgeld, das die Markthändler bezahlen mussten und die Verwendung der   Einnahmen         ( C )

 

 

 

Frage Nr. 5

 

Der bekannte Ilsfelder Holzmarkt entwickelte sich aus dem Bartholomäusmarkt,

 

O       weil die Gemeinde großen Waldbesitz hatte und die Einnahmen aus dem Verkauf von Holz brauchte       ( M )

 

O       weil es in Ilsfeld an der Schozach ein großes Sägewerk gab    ( N )

 

O       weil östlich von Ilsfeld waldreiche Gebiete liegen und in den Gemeinden    westlich der Weinbau stark vertreten ist. Ilsfeld war der ideale Platz für

 

          Holzhandel      ( H )

 

 

 

Frage Nr. 6

 

Der Markt wurde einst vom Bereich um die Kirche auf das freie Feld verlegt. Heute ist dort das Schulzentrum. Die Äcker dort nannte man

 

O       Marktäcker                    ( A )

 

O       Linsenbrunnenäcker       ( S )

 

O       Hofäcker                        ( W )

 

 

 

Frage Nr. 7

 

Warum wurde der Markt zum heutigen Schulzentrum verlegt?

 

O       weil der Lärm und die Ausschweifungen bei der Kirche unerwünscht waren          ( R )

 

O       weil die Händler und Käufer mit Pferdefuhrwerken kamen. Die Versorgung der Pferde mit Wasser war dort besser möglich   ( E )

 

O       weil für den Vergnügungspark mit dem ersten Kinderkarussell mehr Platz    vorhanden war    ( A )

 

 

 

Frage Nr. 8

 

Im Jahr 1616 wurde schon im August auf dem Bartholomäusmarkt neuer Wein ausgeschenkt. Den Wein lieferte

 

O       der herrschaftliche Verwalter aus Mundelsheim     ( I )

 

O       einige Helfenberger Weinbauern                           ( C )

 

O       das Weingut Sturmfeder in Schozach                    ( K )

 

  

 

Frage Nr. 9

 

Ilsfelder Wirte konnten beim Markt Speisen und Getränke anbieten. Im Jahr 1843 erhielten dazu die Erlaubnis

 

O       drei Wirte                       ( T )

 

O       neun Wirte                     ( H )

 

O       vierzehn Wirte                ( G )

 

 

 

Frage Nr. 10

 

Ein für Ilsfeld wichtiger Mann lernte seine Frau auf dem Holzmarkt kennen. Die Hochzeit fand 1843 statt. Wer war dieser Mann?

 

O       Rudolf Vollmöller, Kaufmann (1818-1868)           ( F )

 

O       Fürchtegott Eberle (1825-1898), Bürgermeister in Ilsfeld

 

von 1850-1892   ( V )

 

O       Ferdinand von Steinbeis (1807-1893), Wirtschaftspionier von Württemberg ( B )

 

 

 

Frage Nr. 11

 

Wann fand der Markt nach dem II. Weltkrieg erstmals wieder statt?

 

O       1948 – nach der Währungsreform, als die Leute wieder

 

etwas Geld hatten  ( K )

 

O       1946 – im ersten Jahr nach Ende des Krieges        ( E )

 

O       1952 – im Zusammenhang mit der 850-Jahr-Feier der Gemeinde und der

 

          Heimatwoche       ( I )

 

 

 

Frage Nr. 12

 

Den Antrag zur Genehmigung des ersten Marktes nach dem II. Weltkrieg stellte

 

O       der Apotheker Frank als (stellvertretender) Bürgermeister        ( S )

 

O       der Gemeindepfleger August Lauterwasser            ( C )

 

O       der Gemeinderat             ( E )

 

 

 

Frage Nr. 13

 

Im Jahr 1972 fand auf dem Holzmarktstoppelfeld eine „Holz- und Stoppelfeldolympiade“ statt. In welchen Disziplinen fanden Wettkämpfe statt?

 

 

 

O       Hasenlauf, Wettpflügen und Volkstanz                           ( M )

 

O       Zuberwettlauf, Wettdreschen und Stelzenwettlauf           ( T )

 

O       Wettsägen, Seilziehen und Schubkarrenrennen               ( R )

 

 

 

Viel Erfolg wünscht

 

 

 

Die Vorstandschaft

 

 

 


Die Geschichte des Ilsfelder Osterbrunnens – nach Erinnerungen von Leopoldine Fohmann

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben Nr. 12-15  vom 23.03. - 13.04.2023

 

 

April 1994 – buntbemalte Eier hängen an dem zuvor eher trist wirkenden Brunnen an der Ilsfelder Planmauer und lassen diesen zu einem Schmuckstück werden. Doch wie kam es dazu, dass vor 29 Jahren zum ersten Mal hier am Ort ein Osterbrunnen geschmückt wurde.

Die Initiatorin war Leopoldine Fohmann, Lehrerin an der Ilsfelder Grundschule. In einem Gespräch erzählt sie, dass sie früher regelmäßig in den Osterferien mit ihrem Mann den Urlaub in die Fränkische Schweiz verbrachten, in einem Gebiet, das etwa durch die Städte Bamberg, Bayreuth, Forchheim und Pegnitz begrenzt wird.

 

Leopoldine Fohmann bei der Eröffnung

 

des Osterbrunnens 2023

 

 

 

Ihr Mann war passionierter Fossiliensammler. Sie allerdings hatte nur Augen für die geschmückten Osterbrunnen, die in dieser Gegend überall vorzufinden waren. Sie war so fasziniert davon, dass sie das Brauchtum zu erkunden begann.

 

Dabei erfuhr sie, dass der Brauch mit dem geologischen Aufbau der Gegend in Zusammenhang stand. Auf den Höhen versickert das Wasser sehr schnell. Dadurch kam es früher im Sommer nicht selten zu akutem Wassermangel. Dann musste das Trinkwasser aus weiter talwärts gelegenen Quellen mühsam herangeschafft werden. Diese kostbaren Wasserquellen wurden jährlich am Gründonnerstag geputzt. Zum Zeichen, dass die Arbeit abgeschlossen war, wurde ein mit bunten Bändern geschmücktes Tannenbäumchen aufgestellt.

 

Mit dem Bau der Wasserleitungen erübrigten sich diese Maßnahmen. Trinkwasser war jederzeit bequem verfügbar.

 

Das Brauchtum geriet für einige Zeit in Vergessenheit und lebte erst wieder auf, als der Fremdenverkehr die abgelegenen Dörfer erfasste. Die Dorfbrunnen wurden herausgeputzt und entwickelten sich bald zu kleinen Attraktionen für die Touristen. Ein edler Wettstreit begann. Der Schmuck wurde immer prunkvoller. Bunte Eier, Reisiggirlanden und kunstvolle Kronen kamen dazu. Die geschmückten Brunnen hielten auch in den Dörfern im Tal Einzug.

 

Im Jahr 1994 war es dann soweit. Frau Fohmann ließ sich auf das Abenteuer ein und wagte den Schritt, den Brauch des Osterbrunnens aus der Fränkischen Schweiz in ihren Heimatort Ilsfeld zu übernehmen. Ilsfeld kannte zu dieser Zeit noch keinen Wassermangel und war auch kein Ort an dem sich viele Touristen aufhielten, aber Ilsfeld hatte einen Brunnen. Zum damaligen Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, ob die Ilsfelder Bürger von der Umsetzung dieses Brauches zu begeistern waren, so berichtet sie.

 

Frau Fohmann, die zu diesem Zeitpunkt Erstklässler unterrichtete, unterbreitete ihre Idee den Kindern und den Eltern ihrer Klasse. Zu ihrer großen Überraschung waren von der Idee alle begeistert und wollten bei dieser Aktion mitmachen. Denn um dieses Projekt des Osterbrunnenschmückens umzusetzen, musste rechtzeitig begonnen werden. Nach ersten  Fohmannschen Berechnungen aus dem Jahr 1994 wurden mindestens um die 800 Eier benötigt, das bedeutete die Eltern und Kinder der Grundschulklassen mussten im Vorfeld rechtzeitig damit beginnen Eier auszublasen und diese auch sicher bis zur Bemalung aufbewahren.

 

Wie groß die Begeisterung war, stellte Frau Fohmann erst fest, als sie zum Bemalen der Ostereier einlud. Denn zum Bemalen der Eier erschienen nicht nur die Kinder und Eltern, selbst Omas fanden sich ein.

 

 

 

Grundschüler beim Ostereierbemalen im Klassenzimmer

 

 

 

An mehreren Nachmittagen, außerhalb der Schulzeit, wurde im Klassenzimmer der Erstklässler mit dem Bemalen begonnen und das Klassenzimmer verwandelte sich in ein Künstleratelier.  Wie sich herausstellte, fehlte es den kleinen und großen Künstlern nicht an Kreativität, denn die Eier wurden nicht nur einfarbig bemalt, zahlreiche Eier wurden mit wunderschönen Ornamenten verziert. Jeder durfte seine Fantasie frei walten lassen und dabei zeigte sich, wie kreativ Kinder sein können. Die Farben, man benötigte wetterfeste Acrylfarben, wurden vom Malerbetrieb Hack gestiftet.

 

Für die Aufhängung benötigte man einen festen Bindfaden und Streichhölzer. Die Streichhölzer wurden in zwei Stücke geteilt, der Faden daran befestigt und durch die Öffnung des Ostereis gesteckt.  Die Bindfäden hatten unterschiedliche Längen, damit man sie zu Gruppen und Ketten zusammenbinden konnte.

 

Die nächste Herausforderung bestand nun darin, Girlanden aus Buchs zu binden.  Buchsbäume am Ort mussten gesucht und der Buchs geschnitten werden. Diese Aufgabe konnte jedoch nicht von den Schülern übernommen werden, herfür bedurfte es fachkundiger Ilsfelder, die diese Aufgabe übernehmen konnten. Aber auch dieses Hindernis wurde bewältigt. Im Jahr 1995 wurden 7 Säcke Buchs verarbeitet und daraus 25 m Girlanden und eine Krone gebunden.

L. Fohmann beim Buchsschneiden

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, wurde ein Termin, vor Beginn der Osterferien, für das Brunnenschmücken festgelegt. In den ersten Jahren waren neben den Eltern und weiteren Aktiven auch die Schüler der Grundschulklassen mit viel Begeisterung und Engagement beim Schmücken dabei. Zuvor hatte Frau Fohmann einen genauen Konstruktionsplan entworfen, in dem festgelegt war, an welchen Stellen wieviel Eierketten, Eierzwillinge, Girlanden und die Krone aufzuhängen sind.

Später übernahmen das Schmücken die Erwachsenen, da es auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens in der König-Wilhelm-Straße für  die Kinder zu gefährlich erschien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lore Fohmann mit einer Eierkette

 

 

 

Viel Unterstützung gab es auch seitens des örtlichen Bauhofs. Dieser sorgte dafür, dass der Brunnen im Vorfeld geputzt und zusätzlich ein Baum zum Schmücken aufgestellt wurde. Während der Brunnenschmück-Aktion sorgte er dafür, dass Teile der König-Wilhelm-Straße abgesperrt und Warnschilder angebracht wurden, zudem wurden Leitern zur Verfügung gestellt und auch selbst beim Schmücken wurde mit Hand anlegt, sodass die Aktion sehr zügig und ohne Unfälle abgewickelt werden konnte.

 

 

 

Von Minute zu Minute verwandelte sich der damals etwas schmucklose, betongraue Brunnen an der Planmauer zu einem Schmuckstück und Blickfang für Fußgänger und Autofahrer.

 

Viele, die durch den Ort fuhren, hielten an und liefen zum Brunnen, um diesen zu bestaunen.

 

Für die Ilsfelder und das Ortsbild wurde der Osterbrunnen zwischenzeitlich zu einem festen Bestandteil auf das man stolz sein konnte.  Auch eine offizielle Eröffnungsfeier durfte nicht fehlen.

 

 

 

Diese fand damals meist ein oder einige Tage später oberhalb des Brunnens beim Rathaus oder im Rathausfoyer statt. Dazu waren neben den Schülern der Grundschulklassen und Lehrern auch Vertreter der Gemeinde eingeladen. Zudem wurde die Eröffnungsfeier in manchen Jahren musikalisch umrahmt, einmal sogar durch die Bläsergruppe der Realschule.

 

 

 

 

 

L. Fohmann mit den Schülern bei der Eröffnungsfeier

 

Nachdem im Jahr 1994 die Premiere des Osterbrunnen-Schmückens so erfolgreich verlaufen war, waren alle Bedenken verflogen und es bestand kein Zweifel daran, dass die Aktion wiederholt werden muss.

In den folgenden Jahren verfasste Leopoldine Fohmann als Startschuss immer einen Osterruf, ein kleines Gedicht, das sie an alle Beteiligten verschickte.

 

Im Jahr 1995 erweckte sie die Aktion mit folgenden Versen:

 

Wacht auf, ihr Leute groß und klein,

 

es strahlt der helle Sonnenschein,

 

die dunkle Nacht ist nun vorbei,

 

und alles Leben atmet frei.

 

 

 

Es singt und klingt von fern und nah,

 

der erste Star ist wieder da,

 

die Wiese trägt ihr schönes Grün,

 

und tausend bunte Blumen blühn.

 

 

 

Das Wasser springt von Stein zu Stein

 

Und funkelt wieder klar und rein.

 

Der alte Brunnen hat sich jetzt

 

Stolz eine Krone aufgesetzt.

 

 

 

Nun danket Gott für seine Gnad,

 

der unsere Nacht bezwungen hat!

 

Wacht auf, ihr Leute groß und klein

 

und freuet euch im Sonnenschein.

 

 

 

Was im Jahr 1994 als Versuch begann, entwickelte sich sehr schnell zur Tradition. Im Jahr 1995 durften die Kinder der 2. Grundschulklassen das Eierbemalen und Vorbereiten übernehmen. Für das Girlandenbinden konnten professionelle Helferinnen gewonnen werden und die Anzahl der bemalten Eier wuchs von Jahr zu Jahr. Im Jahr 1995 wurden bereits um die 1.500 am Brunnen aufgehängt, im Jahr 1998 wurde die Marke 2.000 bemalte Eier überschritten. 

 

Natürlich wurden die Kunstwerke in den einzelnen Jahren immer sorgfältig wieder abhängt und in sicheren Kartons aufbewahrt, sodass diese im Folgejahr wieder zur Verfügung standen, sehr zum Leidwesen von manchem Kind, das seine bemalten Eier gerne mit nach Hause genommen hätte, sich aber freute , wenn sie nächstes Jahr wieder am Brunnen hingen.

 

Auch für das Abschmücken werden jedes Jahr zahlreiche Helfer/Innen benötigt.  Denn nicht nur die Eier mussten sicher verpackt werden, auch die Girlanden mussten wieder aufgebunden und entsorgt werden.

 

 

 

Zu Beginn waren es insbesondere die Eltern und Schüler sowie einige freiwillige Helferinnen, die vor allem aus dem Kreis des Landfrauenvereins kamen, die Interesse  an der Umsetzung der Idee des Osterbrunnens zeigten. Doch im Laufe der Jahre nahm das Interesse weiter zu und die Anzahl der Unterstützer stieg von Jahr zu Jahr.

 

 

 

 

 

L. Fohmann und G. Weimar beim Schmücken

 

Im Jahr 2008 waren es um die 40 Helferinnen und Helfer. Da man nicht weiterhin als namenlose Gruppe behandelt werden wollte, verlieh man dem „Kind endlich einen Namen“. Einen Verein wollte man nicht gründen also nannte man sich ab sofort „Freundeskreis Osterbrunnen“.

 

 

 

Bis 2010 bestand der in die Planmauer integrierte Brunnen mit seinen Betonbecken. Im Zuge der Sanierung der Planmauer, wurde der ehemalige Drei-Röhrenbrunnen, der bis dato hinter dem Rathaus stand, wieder an die Planmauer versetzt. Im Jahr 2011 wurde dann erstmals der neue, „alte“ Dreiröhren-Brunnen als Osterbrunnen geschmückt. Zur Einweihung des neuen „Osterbrunnens“ kam als Ehrengast, Ex-Ministerpräsident Lothar Späth nach Ilsfeld. Im Rahmen der Feierlichkeiten durchschnitten Frau Fohmann, Lothar Späth und der damaliger Bürgermeister Knödler gemeinsam das Band vor dem neuen Treppenabgang zum Brunnen. 

 

In seiner Rede lobt Lothar Späth die ehrenamtlichen Aktivitäten des Freundeskreises und sagt: „ Der geschmückte Dreirohrbrunnen ist ein Zeichen für Bürgerinitiative und bürgerliches Engagement“.  Auch Ex-Bürgermeister Knödler sparte nicht mit Lob für die tolle Arbeit des Freundeskreises.

 

 

 

Eröffnungsfeier 2011 mit Lothar Späth

 

 

Mit viel Herzblut und künstlerischem Geschick wird der Brunnen, während der Ostertage jedes Jahr, zu einem echten Kunstwerk verzaubert.

 

Im Jahr 2014 schied Frau Fohmann aus dem Schuldienst aus. Ingeborg Hahn und Gerhard Hahn,  die bisher schon im Freundeskreis Osterbrunnen aktiv mit dabei waren, übernahmen die Aufgabe und führen diese sehr engagiert und erfolgreich weiter. Sie sind nun „Das Bändele, das alles zusammahebt“. Diesen Spruch prägte der Exministerpräsident Lothar Späth anlässlich der Brunneneinweihung.

 

Dank der damaligen Initiative und dem beherzten Umsetzen einer Idee dürfen wir uns  nun seit 30 Jahren, über die Osterzeit, an einen geschmückten Osterbrunnen erfreuen, so wie auch dieses Jahr wieder und hoffentlich noch viele weitere Jahre.

 

An dieser Stelle wollen wir uns als Heimatverein ganz herzlich bei Leopoldine Fohmann bedanken, die sich die Zeit genommen hat und mir die  Entstehungsgeschichte des Ilsfelder Osterbrunnenschmückens und die weitere Entwicklung geschildert hat. Aus ihrem Archiv stammen auch die Bilder, die sie uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat. Auch hierfür ein herzliches Dankeschön.

 

 

Manfred Braun

 


Die Ilsfelder und der Bauernkrieg und die Rolle von Melchior Nonnenmacher

Ilsfelder Nachrichten Ausgaben Nr. 5-8  vom 02.02. - 23.02.2023

 

 

Im Frühjahr 1525 breitete sich der Bauernkrieg wie ein Lauffeuer in großen Teilen Deutschland aus. Bereits im Jahr 1524 gab es Unruhen im äußersten Südwesten, als sich in Stühlingen im Schwarzwald Bauern gegen ihren Landsherrn, den Grafen von Lupfen, erhoben.

 

Viele Bauern leiden in der damaligen Zeit unter der Leibeigenschaft und Repressionen. Bittere Armut bestimmt ihren Lebensalltag, während der Adel einen üppigen und ausschweifenden Lebenswandel betreibt.  Über die Jahrhunderte wurden die einst freien Bauern, die ihren Lebensunterhalt auf eigenem Grund und Boden erwirtschaften konnten, durch die hohe Steuer- und Abgabenlast an den Adel zu Leibeigenen.  Durch die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von Martin Luther, der zu dieser Zeit in Wittenberg lebte,  fühlen sich die Bauern in ihrem Kampf für mehr Freiheit und  Gerechtigkeit bestätigt. Dabei sollte es nicht nur um die geistige Freiheit gehen, sondern auch um eine gerechtere Gesellschaftsordnung.

 

 

 

 

 

Ilsfeld , 17. Jahrhundert

 

Ilsfeld gehörte damals seit mehr als  200 Jahre zum Herzogtum Württemberg und Württemberg wiederum fiel unter die Herrschaft des Hauses Habsburg. Ilsfeld, das zu dieser Zeit vermutlich um die 1.000 Einwohner hatte, war direkt keinem adligen oder geistlichen Dorfherrn unterstellt. Es besaß eine große und ergiebige Markung und hatte auch große Waldungen als Gemeindebesitz erhalten. So war die Armut und Entrechtung hier wohl weniger groß als an anderen Orten.  Vielleicht hatte Ilsfeld um jene Zeit auch kluge und besonnene Männer in der Gemeindeführung, auf jeden Fall zögerten die Ilsfelder Bauern vorerst, sich einem „Haufen“ anzuschließen (der Begriff Haufe kommt aus dem Militär, es handelt sich um eine Einheit mit klaren Regeln und auch Dienstgraden).

Doch im Laufe der Zeit gab es auch in Ilsfeld einzelne Unzufriedene, so dass der Ort nicht ganz von den Wogen des Bauernkrieges verschont geblieben ist. Man geht davon aus, dass sich um die 30 Ilsfelder Bauern den kriegerischen Handlungen anschlossen.

Sie fanden sich samt ihren Waffen  zunächst auf dem Wunnenstein ein, wo sie sich mit den Bottwartälern, dem württembergischen Haufen anschlossen. Bei den Waffen dürfte es sich um Sensen, Heu- u. Mistgabeln, Dreschflegel und Spieße gehandelt haben. Der Bottwarer Wirt Matern Feuerbacher wurde zum Führer des Bauernheers gewählt, dieser übernahm das Amt nur, um mäßigend auf die Aufständischen einzuwirken. Die meisten Ilsfelder Teilnehmer waren unorganisiert und handelten auf eigene Faust.

Mitglieder des Bottwartaler Haufens

 

 

Bei den Dorfoberen entstand durch diese Bewegung eine gewisse Unsicherheit und Furchtsamkeit. Am 11. April 1525, dem Dienstag nach Palmsonntag, schickten Sie daher einen Boten mit einem Brief zu Vogt und Magistrat in die Amtsstadt Lauffen mit der Anfrage, was zu tun sei. Dieser hatte in etwa den folgenden Inhalt:

 

„Unser ungesparter, ganz williger und nachbarlicher Dienst sind euch in aller Untertänigkeit zuvor, günstige, liebe Herrn und Nachbarn. Es sei euch zu wissen, nachdem sich die Bauern zur Empörung erhoben und der Haufen derselben sich gestärkt und viel einiger geworden und im täglichen Zunehmen ist und bis in das Kloster Lichtenstern gerückt ist, was wir glaubhaft durch unseren Büttel heute Nacht erfahren haben. Und der sich erkundigt hat, daß sie willens sind, gegen uns nach Ilsfeld zu ziehen und uns wie andere auch auffordern mitzuziehen. Demnach ist unsere untertänige Bitte an euch als unsere Freunde und Nachbarn, uns hierin behilflich und rettlich zu sein und uns beim Zeigen dieses Briefes zu sagen, was wir Ihnen auf ihre Aufforderung zu geben schuldig sind, damit wir unsere Ehre bewahren und ihnen Billigkeit nicht abschlagen. Dieses begehren wir von euch als gute Herrn und Nachbarn untertäniglich.

 

Schultheiß, Gericht und Rat zu Ilsfeld.“

 

Ob der Brief beantwortet wurde, ist nicht bekannt. Denn auch in der Amtsstadt Lauffen waren Vogt, Bürgermeister, Gericht und Rat nicht weniger ratlos und genauso beängstigt wie in Ilsfeld. Daher schrieben sie ebenfalls einen Brief an die österreichische Regierung in Stuttgart. Die Lauffener ließen wissen, dass der gemeine Mann gänzlich aus dem Gleichgewicht gerate. Man berichtet, dass der Bauernhaufen in seinem Lager in Schöntal sich ständig vergrößere. Sie beabsichtigen auch, nach Lauffen zu kommen und das Kloster zu stürmen. Doch auch die Lauffener erhielten keine Antwort, da sich die Regierung zwischenzeitlich ins Tübinger Schloss zurückgezogen hatte.

 

 

 

Die besorgten Ilsfelder schrieben am Ostertag 1525, dem als „Weinsberger Blut-Ostern 1525“ in die Geschichte eingegangenen Datum einen weiteren Brief an die Nachbargemeinde Bottwar, in dem sie mit großer Sorge über die ihnen zugetragenen Ereignisse in Weinsberg berichteten und um Rat nachfragten. Jedoch auch dieser Brief blieb unbeantwortet.

 

Aufständische Bauern (1525)

 

 

Aus diesen Brief kann geschlossen werden, dass sich der Großteil der Ilsfelder Bauern nicht mit den aufrührerischen Bauern zusammentun wollten und nur einen Gedanken hatten, sich aus dem Spiel herauszuhalten, was ihnen weitgehend auch gelungen ist.

 

Doch wenn von der Weinsberger Bluttat am Ostersonntag, dem 16. April 1525 die Rede ist, die die Aufständischen angerichtet hatten, werden neben den Namen Jäklein Rohrbach, dem aus Böckingen stammenden Anführer, die Schwarze Hofmännin aber auch der Ilsfelder Melchior Nonnenmacher genannt,  auch bekannt unter dem Namen der „Pfeifer von Ilsfeld“.

 

Melchior Nonnenmacher war, so wird berichtet, in Diensten des Grafen Ludwig von Helfenstein-Wiesensteig, auf der Burg Weibertreu.

 

Dort verdiente er seinen Unterhalt als Spielmann,  Zinkenist (Spieler einer Flöte, Posaune oder Trompete) oder auch Pfeifer genannt.   

 

Bei der Gräfin war Nonnenmacher verhasst, der Graf nahm ihn jedoch in Schutz. Dafür sollte er später allerdings schlecht belohnt werden.

 

Nonnenmacher sah auf der Burg,  in welcher Pracht, Verschwendung und Lasterhaftigkeit die Herren und Damen des Hofes lebten und musste daran denken, wie hungrig, arm und freudlos das Leben des geringen Volkes in den Dörfern war, das unter der Last der Arbeit und der Steuern stöhnte. Aus all diesen Erfahrungen erwuchs bei ihm der Zorn und Hass gegen den Grafen und all die Adligen. Als nun im Jahr 1525 die Bauern sich wider ihre Unterdrücker erhoben, lief Melchior Nonnenmacher seinem Herrn davon und schloss sich  dem hohenlohischen Bauernhaufen an.

Graf Ludwig von Helfenstein, der sich von der österreichischen Regierung beim Kampf gegen die Bauern mehr Unterstützung erhofft hatte, als die 70 Krieger die man ihm zur Seite gestellt hatte,  war mächtig enttäuscht. Auf dem Heimweg von Stuttgart nach Weinsberg, so wird berichtet, brachte er aus Verzweiflung oder auch Wut viele Bauern um, die ihm über den Weg gelaufen waren. Dies verbreitete sich schnell unter den Bauern und Handwerkern. Um die 6.000 Bauern hatten sich in Haufen zusammengefunden um die Burg Weinsberg zu stürmen. Am Ostersonntag greifen sie die Burg an, die schlecht bewaffnete Burgbesatzung ist machtlos.

 

 

Weinsberger Bluttat

 

(Historiengemälde von Fritz Neuhaus)

 

 

 

Als der Anführer, Jäklein Rohrbach von Böckingen, 16 Adlige  und 6 Reiters-knechte durch die Spieße trieb (Spießrutenlaufen),  kam Graf Helfenstein als dritter an die Reihe.

 

Auf dem Gang zur „Gasse“ nahm ihm der Pfeifer (Melchior Nonnenmacher) den Hut mit der Feder vom Kopf und sagte: „Den hast Du lange genug gehabt, ich will auch mal Graf sein; ich habe dir lange genug zu Tisch und Tafel gepfiffen, jetzt will ich Dir erst den rechten Tanz pfeifen.“

 

Ausgelassen sprang er um den Grafen und blies auf seiner  Zinke „ein lustig Lied, so recht zum Spott und Hohn“ bis vor die Gasse. Daneben stand die Gräfin mit ihrem 2-jährigen Sohn auf dem Arm und musste dem Schauspiel zusehen, wie ihr Ehegatte starb.

 

Danach zog Nonnenmacher mit dem Bauernhaufen durchs Land. Um diesen Bauernhaufen Einhalt zu gebieten,  bekommt der Truchsess von Waldenburg (auch Bauernjörg genannt) von Kaiser Karl V. den Auftrag, die Bauern in Süddeutschland niederzuwerfen. Bei Böblingen erzwingt der Truchsess eine Schlacht mit den Württemberger Bauern.  Diese Schlacht bei Böblingen am 12. Mai 1525 endet für die Bauern jedoch blutig und vernichtend. Nonnenmacher und einigen anderen gelingt es gerade noch zu fliehen und sich im Städtchen Sindelfingen in einem Hühnerstall oder Taubenschlag zu verstecken. Der Truchsess erhielt jedoch Kunde davon, ritt vor das Stadttor und drohte den Bürgern:

 

„Ihr berget in euren Mauern den Pfeifer von Ilsfeld und seine Mordbrüder, die den Tod meines edlen Vetters von Helfenstein auf dem Gewissen haben! Gebt daher den heraus, den ich suche! Geschieht es nicht innerhalb einer Stunde, lasse ich eure Stadt stürmen und an allen vier Ecken anzünden!“

 

Die Sindelfinger suchten in ihrer Angst alle Winkel der Stadt ab, und man fand den Pfeifer endlich in einem Taubenschlag.

 

 

 

Der Truchsess ließ den Pfeifer aufs freie Feld bei Maichingen hinausführen und mit Ketten an einen alten Apfelbaum binden, einen Holzstoß rings um den Baum aufbauen und anzünden, sodass dieser qualvoll verbrannte.

 

 

 

Hinrichtung von Jäcklein Rohrbach im Mai 1525

 

Grafik Stadtarchiv Heilbronn

 

 

 

Auf diese grausame Weise rächten sich die Adligen an dem Pfeifer von Ilsfeld. Dasselbe geschah mit Jäcklein Rohrbach bei Neckargartach.

 

Theobald Kerner von Weinsberg hat später den schmählichen Verbrennungstod des Melchior Nonnenmacher in einem Gedicht beschrieben.

 

Nachforschungen von Otto Conrad haben ergeben, dass der Name Nonnenmacher in keinem Lagerbuch oder Verzeichnis vorzufinden ist. Man könnte daraus folgern, dass Melchior Nonnenmacher kein geborener Ilsfelder war, sondern möglicherweise als Knecht oder Handwerksbursche nach Ilsfeld kam und sich hier eine Zeit lang aufgehalten hatte, bevor er in die Dienste des Grafen von Helfenstein auf der Weibertreu eintrat. In die Geschichte ist Melchior Nonnenmacher jedoch als Ilsfelder eingegangen.

 

 

 

Quellen:

 

Ilsfeld, Ein Heimatbuch, Herausgeber Gemeinde Ilsfeld

 

Kleine Heimatkunde von Ilsfeld, Ausgabe zur 850 Jahrfeier

 

Aufzeichnungen von Otto Conrad

 

Verzaubertes Unterland von Sigrid Früh, Silberburg-Verlag

 

Zeitschrift Geschichte Nr. 6/21 - Der Bauernkrieg

 

Bild: Wikimedia, Gemälde „Weinsberger Bluttat“, Fritz Neuhaus, 1879

 

 

 

Manfred Braun